Idealismus trifft Realität

Wenn man in der Politik ist, dann gibt es einerseits den Idealismus. Viele der „Kakerlaken“ sind oft sehr von einer Idee durchdrungene Menschen. Manche mehr, manche weniger. Vieles ist einfach eine Überzeugung, eine Vorstellung wie man die Gesellschaft verändern könnte.   Und andere dieser „korrupten Schweine“ üben sich anderseits in reinem Pragmatismus.  Den Ausgleich herzustellen zwischen den verschiedenen in der Gesellschaft konkurrierenden Gruppen.
Aber es gibt noch etwas, was weit wichtiger ist. Der Mensch.
Ein Mensch hat vor kurzem Hilfe gerufen und ich war dann bei einer Amtshandlung dabei. Ein Richter hat Recht gesprochen. Besser gesagt, nicht gesprochen. Es war ein Vater der sein Kind erst nach langer Zeit wieder in seine Obhut zurückbekommen hat, der vorgeladen war. Auch die Ex-Frau die das Kind verschleppt hatte, war anwesend.  Aber es kam zu keinen Beschlüssen, es wurde keine echte Entscheidung getroffen. Denn dieser Vater wird beschuldigt, sein Kind missbraucht zu haben. Und er war verzweifelt, wütend, schmerzerfüllt und traurig zugleich. Er war immer für seine Tochter da. Hat sie aufgezogen, hat ihr alles gegeben, was er konnte. Und jetzt dieser Vorwurf.  Es war erschütternd dabei sitzen zu müssen und zu hören wie der Richter die Realität aufzeigte. Wenn das Kind im Krisenzentrum ist und nicht innerhalb von sechs Wochen zum Vater zurückkehren darf, wird es wahrscheinlich nie wieder in seine Obhut gegeben. Wenn die Frist verstrichen ist und nicht bestätigt werden konnte, dass der Vater kein Täter ist (was seiner Meinung nach kaum möglich ist)   wird das Kind in eine Dauerpflegefamilie gegeben. Die Rückkehr von dort ist fast ausgeschlossen. Genauso klar sagte er, dass es keine Möglichkeit gäbe gegen eine Mutter die meint, der Exmann würde ihr Kind missbrauchen, etwas durch zu setzten, dann wäre es besser, wenn das Kind bei fremden Leute aufwachsen würde, statt ständig dieser Beeinflussung zu unterliegen.  Und einer Mutter den Kontakt zum Kind völlig zu untersagen, würde er sicher nicht anordnen. Der Vater hatte Tränen in den Augen, die Mutter grinste. Salomon hätte hier ein klares Urteil getroffen.
Nachdem dieses Trauerspiel geendet hatte und wir wieder auf der Straße standen, musste er kurz weinen, bevor er sich wieder fasste. „Ich werde niemals aufgeben für mein Kind zu kämpfen“, sagte er.

Und ich hatte so tragisch das war, so sehr es uns alle traurig machte, eine wichtige Erfahrung gemacht.  Es ist wie bei dem Leid   mit den Flüchtlingsbooten aus Afrika. Da gibt es auch die politische Seite. Wie kann man Rahmenbedingungen herstellen, damit sich das Leid verringert. Meine Utopie dazu wäre, die Situation in Afrika grundlegend zu ändern. Eine Quarantäne zu verhängen die alle diese profitgierigen und die Menschen dort als Versuchsobjekte missbrauchende Konzerne  hindert länger dort menschenverachtende Geschäfte zu machen. Eine Wirtschaft aufzubauen, die auf Selbstversorgung gründet, die Schneider, Schuster, Schmiede usw. hat. Echtes Handwerk und blühenden Handel. Ein Weg keinen Sprung zur technologische vernetzten Industrienation zu machen, der in den allermeisten Fällen nur Diktatoren den Weg ebnet, sondern langsam Schritt für Schritt hin den Pfad zur Technogesellschaft zu beschreiten.  Und es gibt die menschliche Seite.
Der Mensch der im Wasser treibt und zu ertrinken droht. Der unendlich dankbar ist, wenn man ihm einen Rettungsring zu wirft.  Der nass und frierend dann vor den Helfenden sitzt und die wärmende Suppe zu sich nimmt. Diese Seite ist die wichtigere.  Denjenigen zu helfen, die ganz real genau in diesem Moment in Not sind. Dort beizustehen, wo jemanden Hilfe verwehrt , Recht vorenthalten wird. Dort hat unsere Hauptaugenmerk zu liegen. Und dort sehe ich jetzt auch die Hauptaufgabe. Wir dürfen die politische Seite nicht vergessen, die Änderung der Situation all der leidenden Menschen ist eine Aufgabe für uns alle.  Aber vor allem sind wir aufgerufen, den Menschen der gerade in den Graben gefallen ist, wieder herauszuholen, den am Boden liegenden aufstehen zu helfen, ins Krankenhaus zu bringen, egal ob er nach Alkohol riecht oder nicht.
Das ist was mich diese Erfahrung gelehrt hat. Sich für Männer einzusetzen ist schön und gut und darf nicht vernachlässigt werden. Aber einem Mann der nachts auf der Straße steht und nicht weiß wo er hin soll, einem zufällig männlich geborenen Menschen der völlig verzweifelt ist und dem man nur sagt: „Reiss dich zusammen, du bist doch ein Mann“, die Hand hin zu strecken, ist weit mehr. Und weit wichtiger.

Für ein faires Miteinander Gerhard Kaspar

Quelle: U.S. Navy photo - http://www.news.navy.mil/view_single.asp?id=40069

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2 Kommentare zu “Idealismus trifft Realität

    • Ich werd das im Rahmen des Männerservice Wien machen. Jedoch ist mir ganz wichtig, diesen jetzt aufzubauen. Damit eine Ansprechstelle da ist für alle männlich Geborenen, nicht nur Väter.

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